Freitag, 22.09.2017

On est là?

Die Frage im Titel stellen dir Beniner gerne, wenn man irgendwo `rumsitzt und sie dazu kommen. Am Anfang (und auch heute noch) hat es in mir immer den kleinen Reflex gereizt, `nein, ich tu nur so´ zu antworten, aber zum heutigen Blogeintrag passt sie eigentlich.
Denn dieser Eintrag hat kein wirkliches Thema. Ich bin inzwischen im Norden angekommen, wo Doro und ich mit den neuen Freiwilligen in Natitengou bei einer deutschen Missionarin und dem Direktor des Assemblé-de-Dieu-Collèges unser Einführungsseminar haben. Für Doro und mich ist natürlich vieles schon bekannt, aber es macht uns trotzdem Spaß. Viel Zeit, einen ordentlichen Blogeintrag zu schreiben hatte ich aber nicht. Trotzdem dachte ich mir, ich feiere die erfolgreiche Reparatur meines Laptops mal damit, euch ein paar Fotos zu senden:

 

In Pobè haben wir mit den letzten Spenden, die von Mamans OP übrig waren, die Schlafsääle gestrichen. Außerdem stehen die Schränke endlich. Schön schaut`s aus, oder?

Das Jungszimmer nach dem Streichen bei den Mädels ist es enger, aber nicht weniger hübsch gestrichen! die Duschen sind blau, damit meine Nachfreiwilligen mit den Kindern Unterwasserlandschaften hineinmalen können. Das wird bestimmt super schön! Auch Mamans Zimmer ist jetzt viel gemütlicher

  Der Hof mit Mauer, Tor und neuem Hühnerstall. Und Maman beim Fegen

Mamans Mutter hat auf ihre alten Tage nocheinmal geheiratet. Als `Enkeltochter´ (bzw treffender: Tochter der Tochter) konnte ich mich natürlich nicht lumpen lassen. Da wir drei, Maman, Doro und ich, uns eine Festtagsuniform schneidern ließen, gibt es endlich ein Foto, auf dem ich euch Doro vorstellen kann! :)

Maman füttert mich mit Hochzeitstorte  Riesendoro und Minianuschka ;)

Danach waren Doro und ich in Cotonou um die Visa zu verlängern. Natürlich verknügten wir uns auch ein bisschen in der Zeit. Hier zum Beispiel stampfen wir bei einem Bekannten Yams, bis wir unser Lieblingsessen hergestellt haben: Ignam Pilée mit Erdnusssauße und Pöll-Käse. Einfach unschlagbar!

Doro und ich fleißig am Stampfen schickes Ignam pilée, selbstgestampft

Und schon ist meine  Zeit im Norden vorbei und das Seminar geht los...

Doro, Selina, ich, Vita und Miriam in der Seminar-Pause  Programmpunkt `afrikanischkochen mit Madame Direktor´ als alter Hase darf ich sogar mörsern und zeige meinen Mädels natürlich, wie`s geht Doro fritiert derweil das Hühnchen

 

So, heute Abend entdecken wir unser neues Häusschen. Bis bald,

Eure Anuschka!

Freitag, 08.09.2017

365!!

Am achten September 2016 sind wir aus dem Flugzeug gepurzelt...

Und heute, genau ein Jahr später, sass ich wieder auf gepackten Koffern, wieder mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Und wieder war es meine Mama(n), die mich als letztes in den Arm nahm, bevor es los ring. Allerdings war es diesmal meine beninische Mama und auch nur ein Motorrad, kein Flugzeug.

Trotzdem geht jetzt mein neues FSJ endlich los: ich habe mich von Pobè verabschiedet. Eigentlich hatte ich immer geplant, so lang wie möglich bei den Kindern zu bleiben und vielleicht sogar meine Nachfolgerinnen an ihren ersten Tagen zu begleiten. Vor etwa einem Monat war klar, dass Ellen und Mareike so spät fliegen werden, das ich nicht mehr mit ihnen nach Pobè kann. Statt die Kinder in ihrer Obhut zu lassen, müsste ich einfach so gehen. Die neuen Tatas würde ich zwar ankündigen, aber die Kinder würden mich trotzdem nicht gehen lassen wollen. Natürlich freue ich mich jedes Mal, wenn die Kinder mir sagen : "bleiben Sie doch!" Aber dieses Mal, wenn ich nicht sagen kann "ich komm ja bald wieder", würde es sicher hart werden...

Also habe ich in letzter Minute meine Pläne geändert, gestern den ganzen Tag meine Koffern gepackt und bin schon heute Früh gefahren, bevor alle Kinder aus den Ferien kamen.

Herman ist gestern schon ins Waisenhaus zurückgekommen. Gestern Abend, Abigaël schlief zwischen uns gekuschelt, habe ich versucht ihm zu erklären, warum ich schon gegangen bin. Er wird versuchen seinen Kameraden zu erklären, dass ich gerne an unser Fest denken möchte, wenn ich an unseren Abschied denke, weil wir alle glücklich waren. Und wenn ich jetzt ganz alleine gehen müsste, dann müsste ich wohl weinen. Und -da gibt er mir recht- es ist nicht gut, wenn eine grosse Person vor allen Kindern weint. Und deshalb bin ich heute vor meinen Kindern geflüchtet...

Mitte der kommenden Woche kommen die Neuen, die 'bébés volontaires' wie wir sie zur Freude unserer beninischen Freunde getauft haben. Ich freu mich schon. Und gleichzeitig haben meine Mitfreiwilligen in Gera ihr Nachbereitungsseminar, ohne Doro und mich. Ein komisches Gefühl!

Zugegeben, so viel Neues habe ich euch nicht erzählen können, aber ich dachte mir: den 365ten Tag in Benin kann ich nicht einfach so verstreichen lassen!

Eigentlich hatte ich vor nochmal einen Jahresrückblick in Bildern hochzuladen. Aber leider weigert sich meine Laptop zu arbeiten. Das mit dem 'Ende' hat er falsch verstanden, fürchte ich... Also müsst ihr leider mal wieder ohne Bilder auskommen. Und bitte entschuldigt alle Rechtschreibfehler, ich tippe von einem Handy mit französischer Tastatur...

Dann bleibt mir nur, euch die allerbesten Grüsse zu senden! Bis in 6 Monaten, ich freu mich doch schon ein kleines Bisschen auf's Heimkommen :o)

Dienstag, 08.08.2017

Deutschland, ich komme...

 

...so schnell wohl noch nicht nach Hause! Langsam wird’s doch mal Zeit euch zu beichten, was die meisten von euch vermutlich schon wissen:
Meine Zeit mit den Kindern im „chants des oiseaux“ ist vorbei, mein FSJ in Südbenin ist vorbei und ich müsste eigentlich schon seit langer Zeit mein Rückflugticket in den Händen halten.
Ja richtig, „müsste“. Denn ich werde nicht fliegen. Statt einem Wunschtermin für die Rückreise habe ich vor einem Monat den unterschriebenen Vertrag für meine Verlängerung an Kinderhilfe geschickt.

Während die Anderen mit immer größerem Entsetzen ihre letzten Tage bis zum Flug zählen, warte ich gespannt auf neue Nachrichten von Dorothea.
Dorothea kommt eigentlich aus Freiburg, ist aber letzten September mit mir zusammen nach Benin gekommen. Seitdem wohnt sie mit ihrer Mitfreixilligen Lena im hohen Norden Benins. Sie unterrichten an einer religiösen Schule in Tanguiéta Deutsch und Englisch und geben Alphabetisierungskurse. Ein paar Häusschen neben der Schule wohnen sie. Im Februar waren Anusha, Yari und ich die Beiden besuchen. Wir wurden nicht nur von ihnen, sondern auch von einer ganzen Menge Freunde und Bekannte herzlichst empfangen. Die Anderen waren teilweise schon genervt, dass wir kein einziges Essen in Ruhe essen konnten, sondern ständig die Löffel weglegen mussten, um irgendjemandem Hallo zu sagen, der nur ganz kurz mal vorbeigeschneit war. Ich dagegen war begeistert! So hatte ich mir mein FSJ vorgestellt: Nicht nur für meine Arbeit leben und den Nachbarn ab und an zuwinken, wenn man sie sieht, sondern Freunde finden, mit denen man Quatsch machen und Unsinn reden kann.

Im Spaß sagte ich zu Doro: „Hier würd' ich länger bleiben...“
Eigentlich meinte ich damit, dass ich gerne länger Ferien bei ihr in Tanguiéta machen würde, bevor wir zum Zwischenseminar aufbrechen würden. Sie verstand das ein kleines bisschen falsch und meinte: „Ja, ich auch. Aber Lena kann nicht länger bleiben... und ein Jahr ist ganz schön lang...“
Wir liesen das Thema in der Luft hängen, bis uns Sarah auf dem Zwischenseminar sagte, dass man weltwärts nicht nur wie gedacht für 12, sondern auch für 6 Monate verlängern kann. Nach der Einheit standen wir zwei vor dem Seminarraum: „und wenn wir zwei zusammen für sechs Monate verlängern..?!“ Die Schmetterlinge in unserem Bauch tanzten Afrobeat vor Vorfreude.

Natürlich konnten wir das so schnell nicht entscheiden. Unsere Eltern mussten um Rat gefragt werden und Torsten, der Chef von Kinderhilfe um Erlaubis. Da wir kein ganzes Jahr verlängern, können wir nicht einfach eine vorhandene Stelle übernehmen, denn die wäre ja dann 6 Monate nicht besetzt. Also mussten wir uns umhören nach einem Arbeitsplatz und nach einer Wohnung.
Deshalb warte ich so gespannt auf Neues von Dorothea. Da sie in Tanguiéta vor Ort ist, organisiert sie alles. Inzwischen haben wir sogar schon eine schicke kleine Dreizimmerwohnung – nur Möbel fehlen uns noch. Arbeit haben wir auch: Wir werden in einem Ausbildungszentrum für Schneiderinnen arbeiten und versuchen in den 6 Monaten den jungen Frauen, die Analphabetinnen sind oder Probleme mit Französisch und Mathematik haben, weiter zu helfen. Für mich, das kleine Panje-Suchtel, ist die Stelle in der Schneiderinnenausbildung natürlich der absolute Traum. Ich hoffe sehr, dass ich mich auch ab und an in den Unterricht mit reinsetzen und ein bisschen was lernen kann. Schließlich steht in Pullach im Keller eine Nähmaschine und ich würde mir meine Klamotten nur ungern wieder von der Stange kaufen müssen, wenn ich nach Hause komme...

Naja, jetzt habe ich es euch endlich gesagt! Wie genau es weitergeht weiß ich aber leider auch noch nicht. Noch pendel ich zwischen meinen Freunden in Cotonou und meiner Maman in Pobè hin und her, weil ich mit beiden so viel Zeit wie möglich verbringen möchte. Drei von uns 8 Südmädels haben wir schon verabschieden müssen, die nächsten drei fliegen am Wochenende. Yari und ich bleiben dann noch bis zum 28. zusammen. Eigentlich planen wir, meine Maman mit nach Porto Novo zu nehmen um mit beiden Gastfamilien, die wir unglaublich gerne mögen, Zeit verbringen zu können. Dann werden Lena und Doro in den Süden kommen, denn Yari und Lena fliegen gemeinsam nach Hause. Doro und ich werden dem Flugzeug winken – und dann plötzlich ganz alleine sein...

Neben so langweiligen Sachen wie 'unser Visum verlängern' werden wir hoffentlich auch die neuen Schränke der Kinder bemalen und eventuell noch ein bisschen mehr streichen, je nachdem wir es mit meinen Spenden jetzt, nachdem Mamans OP komplett durch ist, aussieht. Und zwischendrinn werden wir wahrscheinlich ein bisschen Tourismus machen, bevor wir Mitte September wieder am Flughafen stehen werden, um die neuen Freiwilligen ab zu holen. Und dann geht’s hoch in den Norden, auf in ein neues FSJ, in ein neues Abenteuer, in hoffentlich weitere wunderschöne 6 Monate voller neuer Erfahrungen in diesem tollen Land!

Ich würd' mich freuen, wenn ihr weiterlest und mich weiterhin unterstützt. Meine beiden Nachfreiwilligen Ellen und Mareike werden leider keinen Blog führen, aber sie schreiben Rundbriefe. Wer auch im kommenden Schuljahr Neuigkeiten von den Kindern bekommen möchte, schreibt mir am Besten seine E-Mailadresse, dann sorge ich dafür, dass die Mädels euch in ihren Verteiler aufnehmen.

Ich wünsche euch allen einen wunderschönen Sommer! Wir sehen uns im Februar... Diesmal dann wirklich ;)

 

Lena, Anusha, Doro und ich (v.l.) im Februar. Gar nicht so leicht, gemeinsame Bilder zu finden ;)

 

Samstag, 29.07.2017

Zwanzig sind schon heim gefahr'n, da waren's nur noch zwei!

 

Irgendwann saßen wir alle zusammen im Wohnzimmer, Mémé und Pépé, die Sektretetärin, Maman und ich und kamen dabei darauf zu sprechen, dass das Jahr sich dem Ende zu neigt. Wann die Kinder in die Ferien zu ihren verbliebenen Verwandten gehen sollten und wie lange ich noch in Pobè sein würde. Und da meinte Mémé plötzlich: „Ach genau, und wann machen wir das Abschiedsfest?“
Wir waren relativ verblüfft, von welchem Fest die Rede sein sollte, aber sie lies sich davon nicht aus der Ruhe bringen, sondern verteilte Aufgaben: Sie würde mit Maman kochen und ich den Tag raussuchen und alle meine Freunde einladen. Ich rief also die anderen Volontaires an und lud sie ein am 28., dem Tag bevor die Kinder in die Ferien gehen sollten, nach Pobè zu kommen...

Am 28. selber waren die Kinder schon beim Aufstehen ganz hibbelig. Als ich morgens um sieben den Jungsschlafsaal betrat strahlten mich schon drei hellwache Jungsgesichter an: „Tata? Heute ist das Fest, oder? Und morgen gehen wir in die Ferien?“
Den ganzen Morgen schwirrte das Haus vor lauter Vorbereitungen: Es wurde geputzt und aufgeräumt und verstaut. Ich hatte den Mädchen schon vor Wochen versprochen, ihnen zur Feier des Tages die Finger- und Fußnägel zu lackieren und musste mein Versprechen natürlich halten. Fairerweise bekamen auch die Jungs ein paar Nägelchen lackiert und ich konnte mich natürlich auch nicht lumpen lassen. Also war ich den Vormittag über damit beschäftigt, etwa 180 Nägel zu schneiden und rot zu bepinseln...
Den Kindern wurde das Warten lang! Da kam das Mittagessen und immer noch waren weder Mémé und Pépé noch die anderen Tatas gekommen! Sie aßen grummelnd...
Später wurden sie immer verzweifelter, weil sie mutmaßten, die Feier würde gar nicht mehr stattfinden, denn es sei ja schon 14 Uhr...

Und dann, endlich, waren die Gäste da!

Malaria und dringende Reisepläne sorgten dafür, dass die Mädels, die mich und die Kinder über's Jahr schon besucht hatten, alle nicht kommen konnten, dafür freute es mich um so mehr, dass Desi und Elo aus dem anderen Waisenhaus in Mougnon und unsere Vorfreiwillige Karline die Chance nutzten, auch mal vorbei zu schaun.
Wie man es von Familienfeiern kennt, begann das Fest mit einem riesengroßen Essen: Französische Küche für die Volontaires und Festtags-couscous für die Kinder.

Französisches Essen für uns und Pépé Onkel Athanase isst lieber bei den Kindern

Dann übernahmen die Tatas das Programm: Karline hatte mir, als sie ein paar Wochen vorher hergeflogen war, Gummibärchen-Schnuller mitgebracht. Also bewaffneten wir drei der Tatas mit einem Stock und einer Schnur (und die vierte mit dem Fotoapperat), teilten die Kinder in drei Gruppen auf und spielten Gummibärchen-schnappen:

Ich agelte mir ein paar ganz kleine Fischchen... Tata Elo lässt die Mittleren laufen. Ups, da wurde Marie vom Gummibärchen überfahren! Angebissen! Und Desi spielt mit den Großen. Fofo und der Chauffeur wollten aber leider doch nicht mitspielen... Wenn's um Gummibärchen geht, muss man alles geben!

Als alle Gummibärchentüten leer waren holte ich mein nächstes Geschenk: Ich hatte ihnen Äpfel gekauft. Ich weiß, dass Äpfel in Benin teuer und echte Luxusprodukte sind, aber mit so einer heftigen Reaktion der Kinder hätte ich nie gerechnet – als sie die Äpfel sahen brachen sie in wilden Jubel aus und führten einen waren Freudentanz auf. Aber Tata wäre nicht Tata, wenn sie die Äpfel einfach so verteilen würde. Stattdessen schmiss ich sie in eines unserer Wasserbassins und lies sie die Kinder wieder raustauchen...

Was für die Großen ein kurzer Spaß war... ...war für die Kleinen fast unmöglich, ohne sich komplett ins Bassin zu legen ;) Und der Kleinsten musste ich helfen... schwupps, geschafft und sofort von allen Kindern umsorgt und getrocknet... sind sie nicht lieb! Dadi mit dem von mir getauchten Apfel Abigaels und Atéis erster Apfel in ihrem Leben. Sogar die Köchin lässt sich nicht lumpen - und taucht ihren Apfel fast genau so schnell heraus, wie ich

Danach mussten wir eine kleine Pause einlegen, damit jeder seinen Apfel aufessen und wieder ein bisschen trocken werden konnte. Und dann wollten wir Stoptanz spielen. Stopttanz ist auf Deutschen Kindergeburtstagen ja immer ein ein bisschen anstrengendes Spiel: Es gehört ja irgendwie dazu, aber es ist meistens sehr schwierig, die Kinder dazu zu bringen, ordentlich zu tanzen. In Benin ist das keine Sache. Dafür ist es da komplett unmöglich, die rausgefallenen Kinder zum Hinsetzen zu bringen. Wir liesen also irgendwann den Stopttanz Stopttanz sein und tanzten einfach mit den Kindern was das Zeug hält...

Der kurze Limbo-Versuch... Das hat auch nicht geklappt  Der Vorteil von Stoptanz: Man kann besser fotografieren! Selbst der kleine Antoine tanzt schon mit Tata Karline Damenwahl! richtiges Tanzen ist aber schwer zu fotografieren - und ich wollte ja mittanzen!

Schließlich konnte wirklich niemand mehr, wir hatten zum zigtausendstenmal 'Terre-terre' gehört (das Lieblingslied der Kinder) und die Sonne war auch schon untergegangen. Desi und Elo hatten noch Kaugummis für die Kinder, also wollten wir reingehen um Topfschlagen zu spielen. Da fiel mir ein, dass meine Mutter den Kindern 4 Comics, einen Erstlesekrimi, Kurzgeschichten vom kleinen Nick und eine Comic-Bibel geschickt hatte. Ich nahm die Bücher also auch mit ins Wohnzimmer, um sie kurz herzuzeigen. Als ich gerade ansetzen wollte, um Topfschlagen zu erklären, meinte die große Christine: „Zeigen Sie mal kurz, bitte...“ und nahm mir die Bibel aus der Hand. Die Kinder kuschelten sich also in Grüppchen zusammen und die Großen lasen den Kleinen die Comics vor. Meine größten Mädels schnappten sich sogar den Krimi und haben ihn inzwischen schon fast ganz gelesen (das ist das erste richtige Buch, dass sie neben der Bibel und Schulbüchern je angefasst haben! Ich bin ein bisschen stolz auf sie)

So klang der Abend noch ganz ruhig aus... Onkel Herman liest den kleinen Mädels aus der Bibel vor.
Wir vier machten große Augen, sagten aber nichts, sondern ließen sie friedlich lesen, setzten uns zusammen und plauderten so lange, bis alle anderen Schlafen gegangen waren und wir auch in unsere Betten krochen...

 

Am nächsten Tag kamen wir Tatas relativ schwer aus den Betten. Wir waren alle sehr lange auf gewesen und uns kam es super früh vor, als die Kinder – wie immer- um sieben Uhr morgens beteten und dann laut lachend und schwatzend den Hof vor unsrem Fenster kehrten. Die Kinder waren deutlich besser gelaunt aus den Hochbetten gepurzelt, als wir: Heute war der große Tag! Alle Verwandten würden da sein, es würde nochmal ein Festessen geben und dann würde es heißen: „Auf Wiedersehen, macht es gut und genießt die Ferien!“

Während die ersten großen Brüder eintrudelten, verabschiedeten wir Desi und Elo, die schon große Sehnsucht nach ihren eigenen Waisenkindern hatten. Außerdem war Elo neulich krank gewesen und hatte am morgen einen leichten Rückfall. Maman und ich brachten sie also vorsichtig zum Taxi, damit sie so schnell wie möglich heim und in ihr Bett konnte.
Dadurch verpassten wir den offiziellen Teil, in dem Reden gehalten und Hände geschüttelt wurden. Mit dem Gruppenfoto wurde aber auf mich gewartet, also war ich nicht sonderlich traurig darüber ;)

Ein Gruppenfoto mit lauter Kindern und älteren Beninern (die aus Prinzip nie auf Bildern lächeln) ... gar nicht so einfach!

Dann gab es für alle Riz Créole mit Fisch und Karline, mein Gastonkel Athanase und ich vertrieben uns die Zeit damit, zu raten welcher Verwandte zu wem gehört. (Ich schlug mich gar nicht so schlecht!)
Plötzlich sah ich aus dem Augenwinkel ein Moto den Hof verlassen: Vorne eine dicke Maman, hinten Ornélia mit ihrer Kleidertasche. Ich lief noch hinterher, aber da waren sie schon fort. Das erste meiner Kinder, einfach weg, ohne sich zu verabschieden... Ich musste ganz schön schlucken!

Ich lief herum, half Kleidertaschen auf den Kopf zu nehmen und drückte und kitzelte ein letztes Mal, wen ich in die Finger bekam. Schließlich waren fast alle fort und Mémé und Pépé machten sich daran zu fahren. Sie nahmen die letzten drei Kinder, Fofo und Karline mit nach Cotonou. Also standen nur noch Maman und ich im Hoftor und winkten dem Auto hinterher...

  Maman kocht nur für zwei...

PS: Am Abend desselben Tages sind Maman und ich spazieren gegangen. Keine zwei Höfe weiter kräht es hinter uns plötzlich: „Mamaaan!“ . Als wir uns umdrehen, steht da Josephine in ihrem hübschen dunkelgrünen Kleid und grinst schüchtern. Wie aus einem Mund rufen Maman und ich: „Tschosefiniiiii!“, öffnen die Arme und sie springt uns lachend um den Hals. Stolz zeigt sie auf ein Haus, dass man vor lauter Bäumen und Gebüsch kaum sieht, ein bisschen weiter nach Pobè hinein. Da wohnt sie. Wir freuen uns alle drei, dass es nicht weit ist und sie verspricht hoch und heilig, in den Ferien daheim vorbei zu kommen. Dann rennt sie zurück zu den 4 kleinen Jungs, die auf sie warten. Sie ziehen ab, Josephine im langen Kleid stolz vorne weg, die Jungs in dreckigen kurzen Hosen obenohne hinterher. Maman und ich grinsen uns schweigend an. Ein bisschen stolz sind wir ja schon auf unsere Kinder...

 

 

Dienstag, 25.07.2017

Reiseplanung ist was für Weicheier – Teil 2 (Lomé und ganz viel schlechtes Wetter)

Ihr habt euch sicher schon ein bisschen gewundert, warum ich euch aus Lomé schreibe und ob ich nichts Besseres zu tun habe, als im Urlaub Blog zu schreiben… Leider ist das Wetter nicht so einladend, es ist bewölkt und nieselt alle Nase lang. Außerdem ist die Freiwilligen-WG von Katharina, bei der wir untergekommen sind, unglaublich heimelig. Ein bisschen ist es wie Urlaub in Deutschland: Wir sandeln zusammen auf der Sofa-Matraze im Flur, reden, essen Schokolade, trinken Tee, lesen und hören Musik und Abends wird gemeinsam gekocht. (wieder mit unglaublich viel Gemüse. Noch nie haben mich Zucchini so glücklich gemacht!) Morgens spielen wir dann Urlaub in Italien: Wir frühstücken Tomatenbaguette auf der Terrasse…

Natürlich werden wir nicht unseren gesammten Urlaub vergammeln. Gestern waren wir zum Beispiel bei einem historischen „Sklavenschloss“, auch ‚Woold home‘ genannt, in Agbodrafo. Hier hatten die Einheimischen Adjigos unter ihrem Anführer Assiakoley schon relativ früh angefangen mit Sklaven zu handeln. 1835 bauten dann ein paar englische Sklavenhändler ein im Wald verstecktes Haus in Küstennähe, um sich den Handel zu vereinfachen. Oben wohnten die Händler, die Sklaven zwangen sie in den niedrigen Kellergewölben zu hausen. Diese sind kaum eineinhalb Meter hoch, ähnlich den Laderäumen der Schiffe, in denen die armen Gefangenen in die Neue Welt gebracht wurden.
Das Haus steht grundsätzlich noch. Heute ist vom Wald der das Haus früher umgab nichts mehr übrig, auch die Küste ist nicht mehr eineinhalb Kilometer entfernt, sondern nur knappe 300 m. Unter einem großen Baum vor dem langsam vor sich hin verfallendem Haus sitzt ein älterer Herr, der einem für einen horrenden Preis ein paar Allgemeinheiten über Sklavenhandel und das Agbodrafo erzählt – wenn man ein bisschen nachfragt aber tatsächlich sehr viel über das Haus und seine Geschichte weiß. Das ehemalige Wohnzimmer der Sklavenhändler kann man noch betreten, über eine Klappe im Boden kann man in den Keller springen, in dem die Gefangenen eingepfercht wurden. Yari, ich und eine togolesische Familie krabbelten auch tatsächlich ein bisschen da unten herum. Obwohl die Decke in den Nachbarräumen schon nicht mehr intakt ist, also deutlich mehr Licht hereinfällt, als es früher der Fall gewesen sein muss, und wir wenige Menschen waren und ich ja generell nicht soo groß bin, war es schon nach fünf Minuten eher ungemütlich dort unten. Was für eine grausame Vorstellung dort unten lange Zeit eingepfercht zu sein und auf ein ungewisses Schicksal warten zu müssen!

Ein bisschen geschmacklos fand ich allerdings, dass den Hof dieses Hauses mit so viel trauriger Vergangenheit drei Stände mit dem üblichen Touristentrödel dominieren… Wir kauften dann auch keine Ohrringe oder Batikkleidchen, sondern wanderten durch die verlassenen Straßen des kleinen Ständchens (es war ein Sonntag), bis wir zum Lac de Togoville stießen. Kaum ist das Meer außer Sichtweite, liegt vor einem dieser riesige See, an dessen anderem Ende man ganz klein Togoville erkennen kann. Wir waren versucht uns mit Ruderbooten über den See setzen zu lassen und von dort aus heim zu fahren. Aber Aylin musste leider schon wieder zurück nach Cotonou und von Togoville aus fahren dort keine Taxis hin. Also liesen wir es, verabschiedeten Aylin und fuhren heim zu Katharina. Und jetzt warten wir auf gutes Wetter und senden euch ganz liebe Grüße…

Montag, 24.07.2017

Reiseplanung ist was für Weicheier – Teil 1 (Kpalimé und leichte Startschwierigkeiten)

Liebe Grüße aus Togo ! Ich schreibe euch hier aus einer Freiwilligen-WG in Lomé, Togos Hauptstadt. Wie, was Togo, wie bin ich denn da hin gekommen?

Wir hatten im April im Urlaub deutsche Freiwillige aus Togo aufgegabelt und bei uns beherbergt. Natürlich wollten wir uns nicht lumpen lassen und bei ihnen auch mal vorbeischauen. Als wir dann neulich einen Blick in den Kalender warfen, war schon fast keine Zeit mehr, in der wir überhaupt noch die Chance hatten, die Anderen zu treffen. Wir machten also ein Reisedatum aus…
Dann kam Einer nach der Anderen etwas dazwischen und unsere Reisegruppe schrumpfte von acht motivierten Mädels auf Yari und mich. Wir trafen uns also am Dienstagabend in Cotonou, um möglichst früh am Mittwoch über die Grenze zu kommen. Glücklicherweise bat ich Yari, mir irgendwas aus meinem Rucksack mitzubringen, wobei sie auf meinen Reisepass stieß. Da fiel ihr auf: Ihrer liegt ja noch in Porto Novo! (wir sind ganz schön EU-verwöhnt, ich hätte meinen auch fast vergessen).

Also standen wir am Mittwoch planmäßig früh auf und zogen in die falsche Richtung los: Nach Porto Novo um den Pass zu holen. Das Ganze gestaltete sich als Abenteuertrip, denn die (einzige!) Brücke, die Cotonou mit Porto Novo verbindet wird zur Zeit renoviert. Deshalb fahren die Verbindungsbusse nur bis kurz vorher und den Rest muss man selber laufen. Und zwar inmitten von tausenden genervten Zemfahrern, Bauarbeitern, Autos, Polizisten mit Maschinengewehren, Absperrungen und Pflastersteinen. Auf der Fahrt zu ihrem Pass schmiss mich Yari bei der Bohnenfrau vom Zem, damit ich uns beiden ein gutes Frühstück besorgen konnte. Als ich dann nach dem zweiten Marsch im Bus nach Cotonou gemütlich mein Bohnenbaguette verschmauste, war ich mit dem Umweg ganz und gar versöhnt…

Das jähe Glück sollte aber nicht all zu lange anhalten, denn mein neuer Rucksack gab noch bevor wir ein Taxi nach Togo gefunden hatten den Geist auf: Der eine Träger, an dem ich ihn nur kurz in den Bus hieven wollte, riss und meine sieben Sachen landeten im Matsch. Gut, dass ich schon ein bisschen hier bin und ab und an mit dem Baby von nebenan unterwegs bin: Ich nahm einfach mein Schmuddelpanje aus dem Rucksack und band ihn mir auf den Rücken. Das sorgte mindestens bei allen Zem- und Busfahrern für gute Stimmung, alle Nase lang wurde ich nach dem Namen und dem Alter meines ‚Babys‘ gefragt.

Als wir es uns endlich in dem kleinen grünen Bus nach Lomé bequem gemacht hatten, kam dann die zweite unerfreuliche Überraschung: Irgendjemand hatte sich am Vortag den Reiseführer zum Schmökern aus dem Rucksack genommen und vergessen ihn wieder reinzustecken. Da waren wir also im Bus, plan- und reiseführerlos, aber gut drauf.

Wir wussten nur, dass Paula, Emily und Tobi (‚unsere Togolesen‘) in Kpalimé eingesetzt sind und wir da irgendwie unterkommen würden. Also nahmen wir ein Auto dorthin. Mit Hilfe von Paula und einer netten Dame aus dem Taxi fanden wir die Adresse von Emilys Gasteltern heraus. Als wir in Kpalimé ankamen, war es schon längst dunkel – Die Grenze zwischen Togo und Benin ist nämlich gleichzeitig auch die Grenze zwischen zwei Zeitzonen: In Togo ist es immer eine Stunde früher als in Benin und damit geht hier zur Zeit etwa um sechs Uhr Nachmittags schon die Sonne unter. Trotzdem fanden wir noch zwei Motorradtaxis und mit Hilfe der Nachbarn fanden wir zu Emilys Hof. Sie wohnt in einem kleinen Waisenhaus (zur Zeit wohnen dort nur 8 Kinder), gemeinsam mit einer bis zwei anderen Langzeitfreiwilligen und hin und wieder werden die übrigen Zimmer an Urlauber oder Kurzzeitfreiwillige vermietet. Zum Beispiel an uns…

Leider hatte Emily aber vergessen uns anzukündigen und sie selber war auch nicht zu Hause. Als wir auf den Hof tapsten waren also einen Moment alle ziemlich verwirrt. Gottseidank sind die Togolesen aber genauso entspannt wie die Beniner und Emilys Gastschwester stellte sich mit den Worten: „Hallo, ich bin die Nina und ich mach euch jetzt Spaghetti“ vor.
Von der Reise müde genossen wir die Spaghetti (mit so viel Gemüse, wie ich es schon lange nicht mehr auf einem Haufen gesehen habe!), plauderten am Feuer noch ein bisschen mit Nina, streichelten die beiden süßen Hunde und kippten dann in unsere Betten.

Am nächsten Morgen war Emily schon wieder weg als wir aufstanden. Wir frühstückten, und zogen auf eigene Faust in die Stadt, auf der Suche nach einer togolesischen SIMKarte. Grundsätzlich unterscheiden sich Togo und Benin kaum von einander, aber wir machten uns einen Spaß daraus, jeden noch so kleinen Unterschied zu suchen. Hier eine kleine Auswahl:
Das Straßenbild beninischer und togolesischer Städte unterscheidet sich kaum. Nur ist das Müllproblem in Kpalimé nicht ganz so krass und man findet sogar öffentliche Mülleimer. (die aber auch nur sporadisch benutzt werden) Generell ist die Infrastruktur ein kleines bisschen besser, die Straßen sind weniger löchrig, haben Mittelstreifen und Ampeln und ab und an findet man sogar so etwas wie einen Stadtpark. Die gibt’s in Benin zwar auch, aber sie sind oft weniger grün und gepflegt und werden kaum besucht. Statt der obligatorischen Tomaten-Frau an jeder Ecke findest du zur Zeit in Kpalimé an jeder Ecke eine Avocado-Frau, die oft auch noch Pampelmusen verkauft. Obwohl sich die beiden Länder vom Klima her ja kaum unterscheiden können habe ich in Benin noch nie eine Pampelmuse gesehen. Sehr schade eigentlich… Es gibt viel mehr Rastafari, die gefühlt alle einen Souvenirstand betreiben. Aber vielleicht wohnen auch nur alle Rastakünstler in Kpalimé, denn das ist DER Tourismusort Togos. Deshalb läuft man auch alle Nase lang einem Weißen über den Weg. Die Langzeitfreiwilligen fahren in langen Jeans und Batikkleidern auf dem Fahrrad mit einem Panje-Turnbeutel auf dem Rücken kopfschüttelnd an den Touris und Kurzzeitfreiwilligen vorbei, die in Hotpants mit Sonnenbrillen auf der Nase verwirrt auf dem Markt herumstolpern. Während  meine Schneiderin sich weigert mir kurze Kleider auch wirklich kurz zu machen und man in Porto Novo von fremden Mamans geschimpft wird, wenn man auf dem Zem sitzt und die Knie unter dem Rock hervorsitzen, haben sich die Kpaliméer an die vielen Weißen und ihre Kleidung gewöhnt. Nur die Älteren schauen noch ein bisschen schief, wenn ganz kurze Hosen an ihnen vorbeilaufen – egal ob eine junge Weiße oder eine junge Einheimische drinsteckt. Überhaupt sieht man viel weniger traditionelle Kleidung, eher die alten Frauen tragen noch Panjes. Die jüngeren Frauen tragen zwar noch die schönen bunten Stoffe, aber eher zu hübschen Kleidern geschneidert und viele tragen sogar Hosen. Die Männer tragen nur noch sehr selten traditionelle Stoffe, wenn dann oft nur als Oberteil zur Jeans. Die Stoffe generell sind auch ein bisschen anders. Neben den bunten Mustern, die wir aus Benin kennen gibt es noch ein paar Muster, die man dort nicht findet (die erinnern ein bisschen an Legosteine. Dafür findet man weniger Muster mit Gegenständen, zum Beispiel Schuhen oder Ventilatoren oder Shrimps). Und vor allem gibt es viel mehr Batikstoffe als in Benin und zu viel besseren Preisen.

Ein Panjestand mit lauter schönen Batikstoffen In Togo gibt es auch deutlich mehr deutsche Kooperationen

Es juckte uns also schon sehr in den Fingern auf den Stoffmarkt zu gehen! Aber erst sagten wir endlich Emily hallo, aßen gemeinsam Mittag und zwangen sie, sich den Nachmittag frei zu nehmen. Dann stießen noch eine junge Amerikanerin und eine junge Russin zu uns, die momentan bei einer NGO in Ghana arbeiten und die Emily auf ihrer Ghanareise kennengelernt hatte. Wir fünf trafen uns mit Paula (einer unserer Togolesen) und ihrem Kollegen Elias in der Stadt, stärkten uns mit einem frischen Pampelmusensaft und stürzten uns ins Marktgetümmel…

Ob mit Yari alleine, mit Emily oder den beiden Ghanafreiwilligen und mit Paula und Elias und deren Freunden hatten wir viele schöne Momente in Kpalimé, von denen ich drei mit euch teilen möchte:

Die Suche nach dem Hubschrauberlandeplatz

In Ermangelung eines Reiseführers fragten wir Paulas Mitfreiwillige, was man in Kpalimé so sehenswertes machen könne. Wir entschlossen also mit einem in ein kleines Dorf nebenan zu fahren, das in wunderschöner Natur inmitten von Bergen liegt. Wir flanierten über den Mark, kauften uns Proviant und nahmen eine Straße einen kleinen Berg hoch. Denn dort sollte irgendwo die Villa des togolesischen Präsidenten liegen, von dessen Hubschrauberlandeplatz man eine super Aussicht haben sollte… Wir wanderten gemütlich, genossen die schwache Sonne, begegneten ein paar lustigen Togolesen und genossen die Natur. Ich wusste gar nicht, dass ich Berge mag, aber immer wenn ich hier nicht im Flachland bin, gehen mir unsere Alpen schon ab! Als wir allmählich wieder bergab gingen und auf das nächste Dorf stießen, machten wir es uns im Unterholz bequem, aßen zu mittag und gaben es auf den Flugplatz zu finden… Natürlich stolperten wir am Rückweg praktisch drüber. Aber die Wanderung hat sich eigentlich auch mehr gelohnt als es der Ausblick alleine getan hätte!

Am Markt von Agu: Wer erkennt die Fahne? beim Wandern.... Ja, es ging bergauf, siehr man das nicht? Nicht nur wir waren unterwegs... ...und machten Fotos von uns... Die Landschaft um uns herum war superschön (ja, da war's auch recht flach) Die Oma wollte mit uns Fotos machen... Nur leider sprachen wir nicht dieselbe Sprache In unserer edlen Raststätte... ...machten wir es uns bequem...  ...und aßen unseren Reis.

Endlich, der Hubschrauberlandeplatz! und einunhalb Anuschka  was eine Aussicht!

 

Reggae!

Paula tanzt seit Anfang des Jahres in einer Gruppe Rastas in einer traditionellen Tanzgruppe mit. Sie proben immer Freitagabends in einer Raeggebar in Kpalimé und da wir praktischerweise am Freitagabend da waren, lud sie uns ein mitzukommen. Zum Aufwärmen wird gesungen und getrommelt, dass man es schon einige Meter vor der Bar hört. Wir kamen etwas zu spät, also sang die Gruppe schon: Eine Gruppe muskulöse junge Rastafari, alle ein bisschen größer als der Durchschnittsbeniner stand im Kreis, sang super schön und mehrstimmig, begleitete sich selbst auf kleinen Trommeln, Rasseln und Glocken und tanzte schon ein kleines bisschen im Takt mit – und auf Schulterhöhe, neben muskulösen schwarzen Oberarmen wippte Paulas blonder Pferdeschwanz…
Oft sind die Versuche weißer Besucher in solchen Gruppen mitzutanzen ja einfach nur peinlich. Paula dagegen tanzt klasse, jetzt verstehe ich warum die Rasta-Jungs sie sogar auf Auftritten mittanzen lassen. Nachdem sie aufgewärmt waren und eine Reihe Tänze wiederholt hatten, probten sie eine Art Theaterstück mit Tanzeinlagen für ein Festival. Es geht um ein paar Jugendliche, die versuchen mehr über die Geschichte Togos herauszufinden. Ihre Maman bringt sie dann zum Dorfältesten, der ihnen alte Geschichten erzählt, die dann getanzt und besungen werden. Als einzige Frau in der Gruppe, spielt Paula die Mutter. Es ist ein unbeschreiblich süßer Anblick, wenn ein großer Rastafari sich von der kleinen blonden Paula an der Hand nehmen lässt und sie „Mama“ nennt! Aber nicht nur davon, sondern auch vom Stück an sich und den Tänzen und der Musik waren Yari und ich begeistert. Wirklich schade, dass ich das fertige Stück nicht sehen werde… Und natürlich auch schade für euch, dass die Tänze weder auf Bildern noch in Videos ihre ganze Kraft entfalten!

Paula tanzt mit! Tänzer fotografieren ist nicht sooo einfach...

 

Kpilé

Um Kpalimé herum gibt es etwa 10 kleinere und größere Wasserfälle. Die anderen FSJler rieten uns, nach Kpilé zu fahren. Beim Frühstück beschlossen Camille und Lilijana (die beiden anderen Gäste in unserem Hof) spontan uns zu begleiten. Außerdem war eine weitere Freundin von uns, Aylin (eine Deutsche Studentin, die in Cotonou ein Praktikum macht), inzwischen auch in Kpalimé angekommen. Wir fünf schnappten uns also unsere Bikinis und drei Zems und los gings. Ich habe in Benin ja schon zwei Wasserfälle gesehen und in den dazugehörigen Seen gebadet. Beide waren wunderschön aber nicht zu vergleichen mit der Naturgewalt, die der Wassefall von Kpilé ist! Das Wasser fällt direkt von der Bergkuppe ziemlich gerade runter, Yari schätzt es sind etwa 50 Meter (denn ich kann ja bekanntlich Längen nicht einschätzen). Schon vom Dorf aus kann man die beiden Hauptwasserströme erkennen. Das Gefühl das man hat, wenn später direkt am Fels steht und nach oben Blickt lässt sich eigentlich kaum beschreiben…

Aber weil ich bekanntlich auch nicht einfach den Mund halten kann versuch ich’s doch ;) Es gibt nicht so richtig einen See, sondern das Wasser ist relativ flach und läuft in einem Fluss weiter. Dadurch, dass der Fall nicht in einem tiefen See mündet spritzt er unglaublich. Schon ein ganzes Stück vorher spürt man die Feuchtigkeit in der Luft, je näher man kommt, desto nasser wird man. Wenn man daneben steht ist die ganze Luft voller Wasser, um deine Füße gurgelt die Strömung, alles ist Grün, es ist wunderschön und ungeheuer beeindruckend, aber fast schon unrealistisch… Ein bisschen fühlt man sich wie in Avatar ;P

Leider wollte ich meinen Fotoapperat nicht mit zum Wasser nehmen, aus Angst er würde kaputt gehen und der Togolese, der sein Handy dabei hatte, ist später verschwunden, ohne uns seine Handynummer zu geben. Ein paar Bilder haben wir aber mit Camilles GoPro gemacht, auf denen ihr hoffentlich ein bisschen nachfühlen könnt, wie unglaublich Kpilé war!

  Man sieht den Wasserfall schon vom Dorf aus... und auch die Berge rund herum sind beeindruckend! Schon die So richtig baden kann man nicht, aber ein bisschen im Wasser herumkraxeln  Am beeindruckensten ist der Blick aus den Wasserstrudeln nach Oben!

Und dann nahmen Yari, Aylin und ich auch schon Abschied von Kpalimé und machten uns auf in die Hauptstadt Lomé…

Donnerstag, 13.07.2017

Essen, Schlafen, Ferien...

 

Es tut mir leid, dass ich mich schon wieder eine Weile nicht gemeldet habe: Die Ferien der Kinder haben meinen Wochenablauf durcheinander geschmissen. Inzwischen haben wir aber auch für die Ferientage eine Routine gefunden. Der Tag beginnt um Sieben Uhr früh (in Benin ist das schon ausschlafen) mit den kleinen täglichen Aufgaben: kehren, aufräumen, Moskitonetze hochbinden, Frühstück kochen. Dann gibt es die Bouille und eigentlich sollten wir gleich danach alle mit den études, der Feriennachhilfe, starten. Aber in letzter Zeit bereite ich die meistens erst am Vormittag vor... Denn am Morgen sitze ich mit meinen vielen Gästen oder mit Maman zusammen, genieße die sanfte Morgensonne der Regenzeit und quatsche.
Nach dem Mittagessen verkündet Maman: „Nach dem Essen geht ihr am besten schlafen... Schlafen und Essen, Schlafen und Essen, so sollten Ferien sein!“

Die eine Hälfte der Kinder verzieht sich also in die Betten (dem Lautstärkepegel nach zu urteilen schlafen sie aber eher nicht), der Rest spielt weiter im Hof. Wenn dann um drei Uhr wieder alle fit und jedes Heft vorbereitet ist, geht endlich die Nachhilfe los. Außer es ist Markttag, dann habe ich mich beeilt und schon am Vormittag mit ihnen gearbeitet. Dann packen meine Gäste und ich unsere Taschen und laufen in den Ort, um eine Runde über den Markt zu bummeln...
Und Abends machen wir dann wieder Mamans Programm: Essen und Schlafen :)

 

Ja, ihr habt richtig gelesen, 'Maman'. Sie ist inzwischen schon wieder eine Woche bei uns!

Nachdem sie sich etwas über zwei Wochen bei ihren Eltern auskuriert hatte, ist sie -begleitet von ihren Kindern und Nichten- Anfang letzter Woche wieder zu uns gekommen. Am Anfang habe ich einen ganz schönen Schreck bekommen: Obwohl ich sie bei ihren Eltern besucht hatte, kam sie mir so viel dünner und hagerer vor. Das Laufen viel ihr noch sehr schwer, sie lief langsam und schleppend. Natürlich konnten wir sie trotzdem nicht davon abhalten, einen Spaziergang bis zu den hintersten Ecken ihres Gemüsegartens zu machen, um zu sehen, ob wir ihre Gombos auch gut behandelt hatten.
Inzwischen geht es ihr viel besser. Sie hat immer noch Schmerzen, wenn sie sich bückt, aber sie hat ja viele Kinder in der Nähe, für die es bis zum Boden eh nicht so weit ist...
Sie hat den Verband schon abgenommen, die Wunde scheint zwar noch ein bisschen zu schmerzen, sieht aber schon fast vernarbt aus. Ich helfe ihr täglich dabei, sie vorsichtig zu desinfizieren. Sie lässt es sich immer weniger nehmen, aufzustehen und überall dabei zu sein. Dabei schohnt sie sich immer noch etwas, aber es wird immer weniger.

Maman mit all ihren 'Töchtern' Lauter süße kleine Zwerge! Maman und Tchoupi, ihre Kleine

Wenn sie sich doch dazu entscheidet sich in ihr Bett zu legen muss sie sich auch selten langweilen. Manchmal sitze ich (entweder alleine oder mit Mitfreiwilligen, wenn gerade wer zu besuch ist) mit in ihrem Bett, wir hören Radio und unterhalten uns. Oder die großen Mädels kommen herein, um ihr etwas zu erzählen, auch ein bisschen Radio zu hören oder für sie zu tanzen. Dann stehen sie im Halbkreis um ihr Bett, wünschen lassen sich mit ihrem Handy Lieder spielen und tanzen. Wenn sie dann bemerken, dass ich sie sehe gibt es für mich auch keine Gnade mehr – ich muss mittanzen. Das endet meistens in großem Gelächter und Lachen macht ja bekanntlich gesund!

Am Anfang hatte ich Angst, dass es in der Phase wo Maman langsam wieder ein bisschen fitter ist Probleme zwischen der Köchin und ihr geben könnte. Aber die Beiden kennen sich schon seit Jahren und verstehen sich gut.

Auch mit den Kindern gibt es keine Probleme mehr. Während ich Maman in Porto Novo besucht habe, hatte Tantie, die Sekretärin der ONG, auf die Kinder aufgepasst. Ausgerechnet in den Tagen haben sich unsere beiden größten Störenfriede heftig geprügelt. Tantie war gar nicht amüsiert und rief kurzerhand deren Verwandte an, die Kinder über die Ferien nach Hause zu holen. Seitdem haben wir nur noch drei Jungs, die sich musterültig benehmen. Auch bei den Mädchen gibt es selten echte Probleme und so haben wir alle eine ziemlich entspannte Zeit.
Als die anderen Kinder mitbekommen haben, dass Rachad und Nansirou nach Hause geschickt wurden, herrschte ersteinmal große Aufregung. Nicht, weil ihnen die Beiden so fehlen würden, sondern weil sie auch in die Ferien fahren wollten!
Die ganzen letzten Wochen liegen sie Maman und mir also in den Ohren, wann denn sie denn endlich nach Hause dürften und erzählen mir, was sie alles tun werden, welche Geschwister auf sie warten und in welche Kirche sie mit ihren Verwandten gehen...
Ich finde das Thema ganz lustig und freue mich so ein bisschen mehr über die Vergangenheit der Kinder herauszubekommen. Aber manchmal muss ich sie doch zu einem schnellen Themenwechsel bringen: Nicht alle Kinder haben ein Zuhause, auf das sie sich freuen. Diejenigen, die niemanden mehr haben, hatten die letzen Ferien bei Tantie in Porto Novo verbracht. Mal sehen, was wir dieses Jahr finden...

Und so wird mein Einsatz im Chants des oiseaux auch schneller enden als gedacht!
Nächste Woche werden meine Mitfreiwilligen und ich noch einen kleinen Abstecher nach Togo machen. Wenn ich zurückkomme habe ich nur noch ein paar letzte Tage und ein großes Abschiedsfest mit den Kindern – und dann habe ich überraschend schon Ferien!

Wie es danach für mich weitergeht und wann ich wiederkomme erzähle ich euch dann ;)

 

leider habe ich vergessen, dass ich die Bilder noch nicht auf den PC gezogen habe... es tut mir schrecklich leid euch wieder mal warten gelassen zu haben! Dafür hatten wir das letzte mal auf dem Markt unsere Kamera dabei! Deshalb bekommt ihr jetzt ein paar Marktbilder ;)

Klein aber Fein - der Markt in Pobè Ein scharfes Bild! Vier Generationen am gleichen Marktstand Ach und Rauchen, das macht in Benin übrigens keiner. Oder?

Und die Bilder vom Bauklötzchenspielen mit Johanna. Wir haben richtig coole Bahnen hin bekommen... Nur leider haben uns die Kinder ständig beim Spielen gestört :P

So schaut es aus, wenn alle friedlich Spielen

Domino macht Kinder froh... ...und Johanna ebenso!

Ups, da ist er drangestoßen! Na, wer kann es lesen? Ja genau: Tata

Dadi spielt lieber mit meinen Haaren und Kégnidé mit dem schicken roten Auto Marie dagegen schreibt ein bisschen

Und mich gibt’s natürlich auch noch. Hier bei einer von Pobès vielfältigen Freizeitgestaltungsmöglichkeiten:

Gras beim Wachsen beobachten!

 

PS: ich habe jetzt die Fotos vom Handy bekommen und habe ein paar Bilder bei dem Artikel über meinen PortoNovoAufenthalt einfügen können - Schaut doch mal rein ;)

 

Donnerstag, 22.06.2017

Besuch von der Zahnfee...

 

Ich hatte also großspurig versprochen Adjiké in den Ferien Lesen beizubringen. Und nicht nur ihr, sondern auch den drei Jungs, die zwar anscheinend in der ersten Klasse weniger geschlafen haben als sie, aber trotzdem das R nicht vom L unterscheiden können. Ich hatte also drei bis vier Lerngruppen, mit denen ich jeden Tag Französisch, Lesen oder Mathe üben wolte. Als ich näher drüber nachdachte erwies sich das als mehr Arbeit als gedacht. Passenderweise ist unser Gärtner eigentlich Grundschullehrer (aber die werden hier sehr schlecht gezahlt) und versprach mir zu helfen. Einer für die Erstklässler, einer für die Drittklässler, dann fehlte nur noch ein Lehrer für die Kindergartenkinder...

Glücklicherweise kam da Tata Ezgi zu Besuch! Sie übernahm die Kindergartenkinder und hat heroisch eine Woche jeden Tag zwei Stunden mit ihnen Kinderbücher angesehen, sich Vorstellen geübt und von 0 bis 20 gezählt.

So macht Vokabeltraining doch Spaß!

Aber natürlich haben wir zwei Tatas nicht nur den Ferienkurs geschmissen. Bei einer anderen Gelegenheit ist ihr mein Blog zwischen die Finger gekommen. Und nachdem sie ein bisschen geschmökert hat, war sie mir ziemlich beleidigt: „Über Anusha und Yari schreibst du, wie tolle Freunde ihr geworden seid, und ich werde nur in einem Nebensatz als die dritte Mitfreiwillige mit der langweiligeren Einsatzstelle erwähnt?!“ Mein Argument, dass unsere langen und guten Gespräche auf dem Dach der Einsatzstelle in Porto Novo oder unsere Ausflüge in gute Restaurants und an den Strand meine Blogleser eigentlich wenig interessieren dürften, lies sie nicht gelten. Deshalb ist hier der Eintrag in dem du vorkommst, liebe Ezgi. ;)

Ezgi war eine ganze Woche mit dabei und ihr Besuch hat mir in vieler Hinsicht gutgetan. (nein, das schreib ich nicht, weil ich weiß, dass sie es lesen wird) Ich hatte jemanden, mit dem ich über kleine Vorfälle mit den Kindern lachen konnte, mich über unsere Bücher austauschen oder auch mal spazieren gehen. Sie hat nicht nur den Ferienkurs unterstützt, sondern auch genug Zeit gehabt, um einen echten Einblick zu haben und Dinge zu bemerken, an die Maman und ich uns mit der Zeit gewöhnt haben, auch wenn sie eigentlich nicht gut sind: Dass immer dasselbe Mädchen in der Küche die Hauptarbeit macht zum Beispiel. Oder dass die Kinder nur einmal am Tag Zähne putzen und das direkt vor dem Frühstück. Also fassten wir uns ein Herz und versammelten die Kinder zu einer kollektiven „Nachhilfestunde“ mit dem Thema Zahngesundheit.

Ich versuchte möglichst kindgerecht zu erklären, warum es Wackelzähne gibt und dass man Zähne putzen um das kleine, böse Kariesmonster davon abzuhalten an deinen Zähnen herumzubeißen. Danach überlies ich Ezgi das Feld, die mit den Kindern richtiges Zähneputzen übte: Erst die Kauflächen, dann die Außen- und am Schluss die Innenseite. Und nicht irgendwie sondern alles ausreichend lange. Da standen sie also im Halbkreis um die Tata Zahnfee und putzten dass es nur so schäumte!
Und Ezgi und ich tauschten einen Blick und lachten in uns hinein: Zu zweit ist Tata sein halt doch noch mal einen Tick schöner...
und man hat jemanden dabei, der ein Foto machen kann! Glück für euch ;)

Was interessieren mich Zähne, da ist ein Fotoapperat! Ezgi und die Kinder beim Praxisunterricht und, habt ihr alles verstanden?

Inzwischen arbeite wieder ich mit den Kleinen Abigels erste Schreibversuche Klappt doch schon ganz ... nett Die Großen bei einer Gruppenarbeit zu Konjugation

 

Freitag, 16.06.2017

Keine Sorge, ich lebe noch!

Hallo ihr Lieben, es ist schon wieder viel zu lange her, dass ich etwas veröffentlicht habe! Ich werde es vermutlich auch erst Mitte oder Ende nächster Woche wieder schaffen, deshalb wollte ich mich kurz melden:
Mir geht's gut!
Für meine Kinder haben die Sommerferien begonnen und wir wiederholen ganz fleißig jeden Tag ein bisschen Stoff. Mit den kleinen Kindern versuchen wir französisches Vokabular aufzubauen, die Mittleren üben Lesen und die ganz Großen versuchen mit mir das Mysterium "wie funktioniert französische Grammatik" zu ergründen. In der restlichen Zeit wird immer noch gekocht, am Feld gearbeitet, die Hasen oder Kuscheltiere gepflegt, Wäsche gewaschen, Spielzeugautos durch die Gegend geschoben oder Bauklötzchentürme gebaut. Wir sind also gut beschäftigt.
Maman ist leider immer noch nicht operiert, sondern wird von ihren Ärzten und den täglichen Pflichten im Waisenhaus auf Trab gehalten. Ich bin vorsichtig geworden mit Voraussagen, aber nächste Woche dürft's jetzt doch endlich klappen!
Nochmal vielen Dank fürs Daumen drücken und die vielen lieben Grüße und Nachfragen wie es ihr geht.
Bis nächste Woche!
Eure Anuschka

 

Ups, da hat das Handy das Foto gar nicht gesendet. Also jetztda:

Der Beweis: mich gibt es noch. Da war ich bei Freunden auf dem Bauernhof...

Samstag, 03.06.2017

Applaus, Hasenbraten und ein paar Tränchen

 

Grundschule in Deutschland und Grundschule in Benin funktionieren ja oft doch relativ unterschiedlich: In der einen gibt es Hausschuhe, Leseecken und Klassen-Kuscheltiere, in der anderen hat jeder eine Kreidetafel, es gibt Schuluiformen und Zeigestöcke (mit denen auch mal zugehauen wird). Aber manches ist auch gleich, zum Beispiel dass in der letzten Schulwoche vor den großen Ferien nichts mehr los ist.

In der letzten Woche waren die Kinder also unglaublich schwer aus dem Haus zu bekommen. Da konnte ich noch so viel reden, mahnen, rufen, sie anschreien, mich auf den Kopf stellen und mit den Zehen wackeln: Um 5 vor Schulbeginn schlenderten die letzten aus der Dusche: „Wir lernen ja eh nix mehr...“
Nur ein paar Kinder steckten die letzten Tage noch fleißig die Nasen in ihre Bücher – die, die am großen Schulfest die Sketche spielen durften. Je näher der letzte Schultag kam, desto aufgeregter wurden meine Kinder. Jeder erzählte Maman und mir bis ins kleinste Detail, was er machen würde und was die anderen machen würden, wer sich getraut hatte vorzutanzen und was der Direktor gesagt hatte und überhaupt. Ich grinste breit und spielte ganz brav Testpublikum für die vielen Proben meiner Mädels, die in die Tanzgruppe gesteckt worden waren.

Und dann kam der lange erwartete Tag endlich! Die Kinder packten ihre schönen Kleider und ihre Teller und verschwanden um 8 in die Schule. Als wir dann los wollten begann es wie aus Kübeln zu schütten!

Der Schulwe... äh...-fluss
Als es eine halbe Stunde später aufhörte, hatte sich der Schulweg in einen Fluss verwandelt. Maman, Fofo (der Gärtner) und ich wateten trotzdem zur Schule. Wir wurden von der ganzen Schule herzlich empfangen – und wieder nach Hause geschickt. Der Regen hatte den Zeitplan durcheinander gebracht und alle anderen Eltern davon abgehalten zu kommen. Wenn es so weit sei, dann würde uns ein Kind holen...

Wir gingen also wieder nach Hause. Vier Stunden später war es dann so weit, wir wurden geholt. Als wir ankamen hatten die Kinder alle Schulbänke unter den großen Baum im Schulhof getragen. Da saßen sie im Halbkreis, gegenüber dem Herrn Direktor an seinem Pult. Die Lücke dazwischen schlossen Plastikstühle für die Gäse, auf die wir gesetzt wurden. Ich fühlte mich ziemlich unbehaglich dort, den wir waren die allerersten. Davon lies sich aber keiner stören, die Vorführungen gingen trotzdem los:
In wilder Reihenfolge durfte jedes Kind, das Lust hatte, ein Gedicht aufsagen, das es im Laufe des Schuljahres gelernt hatte. Anscheinend hatten sie geübt, wie man Gedichte „lebendig“ aufsagt, denn alle Vortragenden machten große Schritte hin und her und ruderten mit den Armen. Leider sagte aber jedes Kind einfach das einfachste Gedicht des Schuljahres auf und so bekamen wir Gäste etwa 5 Mal das Gedicht „Meine Schule heißt Leopold-Sendar-Senghor...“ und das Gedicht „Ich wohne in Benin, Benin hat so und so viele Departements...“, drei Mal „Der Bauer und sein Feld“ und einmal in raasender Geschwindigkeit Jean de la Fontaines „Der Rabe und der Fuchs“ aufgesagt. Wir klatschten trotzdem brav und ich beschäftigte mich damit, die Kinder zu fotografieren.

Anna sagt ein Gedicht zum Lobe des Präsidenten auf. Sehr schön!

Zwischendrinn kamen immer wieder anders zusammengewürfelte Tanzgruppen. Die Mädels hatten sich traditionell herausgeputzt: Ein Tuch um die Hüften, eines um die Brust, viel Schmuck, aber keine Schuhe. Sie sangen auf Nagot und auf Französisch und tanzten für uns. Die Mitschüler und der Direktor sangen mit, wenn ich die Lieder erkannte, dann sang ich auch mit. Wofür habe ich denn 8 Monate Hausaufgaben mit auswendig gelernt? Meine Jungs hatten ihre selbstgebastelten Trommeln dabei und begleiteten das Ganze.

Eine Zusammenstellung der Tanzgruppe. Bis auf die ganz Rechte alles ONG-Mädels :) Sogar unsere zwei Kindergartenmädels haben sich getraut. Sogar ganz alleine!

Mein persönlicher Lieblingsprogrammpunkt war aber eine Gruppe Erstklässler, die das englische Alphabet vorsangen- mit einem Hüftschwung pro Buchstaben. In dieser „Tanzgruppe“ war sogar ein Junge dabei: Mein kleiner Rabauke Nansirou hatte den schönsten Hüftschwung von allen!

Von Nansirou hab ich leider kein Bild. Aber von meinem persönlichen Lieblingstänzer: Das Publikum war so, wie Mitschüler eben sind: unkonzentriert...

Überhaupt gab es kaum einen Programmpunkt bei dem unsere ONG-Kinder nicht dabei waren. Am deutlichsten zeigte sich das bei den Sketchen: Von den etwa 15 kleinen Schauspielern waren nur 4 nicht von uns. Die Sketche waren eigentlich Geschichten aus dem Schulbuch, die sie szenisch darstellten. Ein Sketch ging darum, wie ein konservativer Vater davon überzeugt wird, seine Töchter in die Schule zu schicken. Seitdem schreit unser Herman (der den Vater gespielt hat) allen Mädchen, die ihn nerven, ins Gesicht „envoyer une fille à l'école, c'est jetter l'argent par le fenêtre!“ (Ein Mädchen in die Schule zu schicken, das ist Geld aus dem Fenster schmeißen) Aber alles in Allem waren die Sketche sehr pädagogisch-wertvoll...

Ilyanu ...und Marie liest die Geschichte nochmal vor, falls jemand den Sketch nicht verstanden hat.

Am Ende gab es noch ein großes Festessen für alle: eine besondere Pâte, Tomatensoße und Gombo. Wir Erwachsenen bekamen zu erst und die kleinen Jungs amüsierten sich über meinen Kampf mit der schleimigen Gombosoße. (Die hat in etwa die Konsistenz von Tapetenkleister. Man kann das nicht essen ohne sich einzusauen!) Eine Viertelstunde später war ich fertig, genoss mein Festtagsbier und sah den Jungs zu, wie sie sich ihrerseits einsauten... Alle waren glücklich.

Alle warten gespannt auf's Essen... Maitresse, ici, ich hab noch nichts bekommen! Die Kamera ist entdeckt! Also, eins - zwei- drei- coole Pose!

Als alle aufgegessen hatten, war das Fest eigentlich beendet, die Schüler sollten ihre Bänke aufräumen und ihre Zeugnisse abholen. Den Kindern war aber mehr danach, zu quatschen und zu verdauen. Da musste der Direktor sich schwer aufregen und verkündete, wenn sie nicht arbeiten wollten, wolle er auch nicht: Sie sollten sich die Zeugnisse doch am Montag um acht abholen. Nach und nach räumten sie dann zwar die Bänke auf, aber der Direktor blieb dabei. Also tanzten alle Kinder noch ein paar letzte Tänze, wir Erwachsenen tranken aus und dann ging es ohne Zeugnisse nach Hause.

Eigentlich hatte Maman versprochen zum Festessen beizutragen. Leider hatte sie wegen ihrer Operation am Tag vor dem Fest überraschend ins Krankenhaus nach Porto Novo fahren müssen und konnte nichts vorbereiten. Als Entschuldigung luden wir den Direktor, seine Frau und die beiden Lehrerinnen am nächsten Nachmittag zum Essen ein. Den ganzen Sonntag waren also alle aufgeregt am Werkln: Es wurde gekocht, geputz, aufgeräumt und sogar zwei unserer Hasen geschlachtet und zubereitet. Auch hier wurden wir wieder durch den Regen gestört, so dass die Kinder eine halbe Stunde zu spät fertig und mit einheitlichen „chants des oiseaux2-T-Shirts bekleidet waren. Aber das war nicht schlimm, denn unsere Gäste hatten noch viel mehr Verspätung. Um den enttäuschten Kindern die Wartezeit zu überbrücken versuchte ich „Ich sehe was, was du nicht siehst“ mit ihnen zu spielen. Aber das Ganze artete in ein riesiges Chaos aus, weil alle durcheinder im Wohnzimmer herumhoppsten und mir Gegenstände zeigten, anstatt dem Kind, das dran war, zuzuhören. Mit Müh und Not brachten wir sie dazu, sich wieder zu beruhigen. Schließlich meinte Maman resigniert „Na dann zieht die T-Shirts wieder aus, dann haben wir jetzt wenigstens für gut eine Woche essen...“
Genau in diesem Moment kamen die Gäste.
Erst war es schon ein wenig komisch. Maman verzog sich wieder in die Küche und mir viel die Aufgabe zu, zwischen den Kindern und ihren Lehrern eine Konversation aufrecht zu erhalten. Als wir wirklich alle Höflichkeiten ausgetauscht hatten und ich vergeblich versucht hatte, die Kinder dazu zu bringen, mir ihre Lieblingsfächer zu verraten, kam mmir gottseidank die Direktorin zur Hilfe: Sie schlug den Kindern Lieder vor, die die begeistert sangen. Sie wollten gar nicht aufhören zu singen und zu tanzen als das Essen kam. Also aßen Fofo, die Gäste und ich unseren Hasenbraten mit Livemusik.

Zur Belohnung bekammen die Kinder am Ende ihre Zeugnisse überreicht. Dazu hielt der Direktor eine kleine Rede, erzählte über jeden Schüler was er so wusste und lies uns alle klatschen, wenn das Kind sein Zeugnis in die Hand gedrückt bekam. So feierlich habe ich noch nicht mal mein Abitur überreicht bekommen!

Nach einer kleinen Ansprache...  ...gab's endlich Zeugnisse! Unsere Ilyanu ist Klassenbeste! Da war die Freude groß!

Als dann alle Zeugnisse verteilt waren, hielten noch beide Lehrerinnen eine kleine Ansprache und dann verliesen uns unsere Gäste auch schon. Die Kinder machten sich frühlich über ihren Hasenbraten her. Bis auf eine, die leider durchgefallen ist und zu der die Lehrerin zum Abschied meinte: „Es tut mir wirklich leid, aber ich kann dich nicht in die zweite Klasse lassen. Du schläfst zu viel im Unterricht“. Ich nahm sie fest in den Arm, trocknete ihre Tränchen und versprach: „Wir lernen in den Ferien einfach lesen und nächstes Jahr wird sie sich wundern, warum sie dich nicht versetzt hat... Einverstanden?“

 

Auf dieser Seite werden lediglich die 10 neuesten Blogeinträge angezeigt. Ältere Einträge können über das Archiv auf der rechten Seite dieses Blogs aufgerufen werden.